Mittwoch, 20. Januar 2016

Arme Sezessionisten?

Leider werde ich den Eindruck nicht los, dass Herr Krieger diesen Artikel einfach nur bei einer der Regierungstreuen, ja sogar -hörigen Tageszeitungen wie 'La Razón', 'ABC' oder 'El Mundo' abgeschrieben hat. Dem widerspricht jedoch seine Behauptung, dass "der neue Wirtschaftsminister Oriol Junqueras ... auch "Außenminister" Kataloniens ist", denn in Madrid weiß man, dass der Mann, der vom neuen katalanischen Ministerpräsidenten Carles Puigdemont mit der Betreuung der auswärtigen Angelegenheiten beauftragt wurde, tatsächlich Raúl Romeva heißt, der die Koalitionskandidatur 'Junts pel Sí' bei den Regionalwahlen vom 27. September anführte und auch gewann.

Wen kann es bei einer derart fehlerhaften Berichterstattung da noch wundern, dass der Autor den Madrider Vortrag, dass Katalonien ohne staatliche Unterstützung seine Rechnungen nicht bezahlen kann, ganz einfach 1:1 übernimmt, ohne den katalanischen Standpunkt zu dieser, ebenso falschen, Behauptung mit in seinen Bericht aufzunehmen. Seit Jahrzehnten bedient sich der spanische Staat in Katalonien mit seinen Steuern und lässt die Region am langen Arm verhungern. Während z.B. in Deutschland die bayerische Regionalregierung schon wegen einem Solidaritätsabschlag von 2% auf die Barrikaden geht, ist in Katalonien die Schlucht zwischen dem, was der Staat sich nimmt und dem, was er zurückgibt, jährlich zwischen 8% und 12% tief. Und leider werden mit diesem Geld nicht etwa die ärmeren Menschen im Land unterstützt, nein. Damit werden irgendwelche irrationale Wahnsinnsprojekte finanziert (Flughäfen, die niemand braucht, Hochgeschwindigkeitstrassen in die Wüste, u.s.w.), die keinen anderen Sinn haben, als den Madrider Regierungsbeamten die Wiederwahl zu garantieren.

Herzlichen Glückwunsch! 

Thomas Spieker

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Montag, 28. September 2015

Absolute Mehrheit für Befürworter der Unabhängigkeit

Die Separatisten sind aus der als historisch eingestuften Wahl in Katalonien offensichtlich als Sieger hervorgegangen. Laut ersten Hochrechnungen erreichen sie die absolute Mehrheit. Wie die Behörden nach Auszählung von 64 Prozent der Stimmen am Sonntagabend mitteilten, kommt die separatistische Allianz Junts pel Sí (Gemeinsam fürs Ja) des katalanische Ministerpräsidenten Artur Mas auf 62 Sitze. Die linksradikale Unabhängigkeitsbewegung CUP errang zehn Sitze.

Mit diesen 72 der 135 Sitze im Parlament stellen beide gemeinsam künftig die absolute Mehrheit. Den Teilergebnissen zufolge erreichten beide Bündnisse zusammen 47,3 % der Stimmen.
Mas hatte die vorgezogene Wahl als ein Plebiszit über eine Abspaltung der Region von Spanien angesetzt. Er hatte angekündigt, Katalonien in 18 Monaten zur Unabhängigkeit zu führen, wenn seine Bewegung die absolute Mehrheit erreicht. CUP-Kandidat Antonio Baños schrieb nach Veröffentlichung der Prognose auf Twitter, seine Partei sei mit den vorläufigen Ergebnissen zufrieden und bereit, einen Unabhängigkeitsvorstoß zu unternehmen.
Die konservative Madrider Zentralregierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte wiederholt angekündigt, eine Abspaltung Kataloniens unter keinen Umständen zuzulassen. Katalonien hatte sich bereits 2006 zur Nation erklärt. Diesen Status erkannte das spanische Verfassungsgericht der Region 2010 wieder ab. Im November 2014 klagte die Regierung des Landes vor dem Verfassungsgericht gegen ein Unabhängigkeitsreferendum und konnte dieses so verhindern.
Katalonien steuert fast ein Fünftel zur spanischen Wirtschaftsleistung bei und bekommt nach Ansicht von Kritikern dafür nicht genug von der Regierung zurück. In der Region im Nordosten des Landes leben rund 7,5 Millionen Menschen. Spanien erholt sich gerade erst langsam wieder von einer tiefen wirtschaftlichen Krise, die dem Land über Jahre hinweg Arbeitslosenraten von über 22 Prozent bescherte.

Quelle 

Together for Yes (Pro independence) 1,620,697 39,54 % 62 MPs
Citizens (Unionists, Center)                 734,538 17,92 % 25 MPs
Socialist Party (Unionists, Left)           521.916 12,73 % 16 MPs
Catalonia, We Can (Self-determination) 366.274  8,94 % 11 MPs
People's Party (Unionists, Right)          348.350  8,50 % 11 MPs
Popular Unity Candidacy (Pro indep.)   336.292  8,21 % 10 MPs
Democratic Union (Self-determination) 102.835  2,51 % 0 MPs

Turnout: 77,44 %

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Samstag, 26. September 2015

Katalonien bricht mit Spanien





Ursprünglich hatte sich das neue Spanien nach dem Tod Francos die deutsche und die österreichische Verfassung zum Modell nehmen wollen, um das zentralistische, von Madrid aus regierte Königreich zu demokratisieren und zu dezentralisieren. Im Prinzip hätte Spanien in vier Bundesländer aufgeteilt werden müssen, um das Grundproblem Spaniens zu lösen, wie nämlich ein respektvolles Zusammenleben von Katalanen, Basken, Galiciern und Spaniern oder Kastiliern (mit Einschluss der Andalusier) in einem einzigen Staat möglich sei.


Der erste gravierende Fehler war, dass man die deutsche Bundesländerlösung falsch adaptierte und glaubte, statt vier über Jahrhunderte historisch gewachsene Länderteile zu ihrem Recht kommen zu lassen, ein Puzzle auf der Basis der Provinzeneinteilung von 1833 einrichten zu sollen. Es kam zu dem berühmten „café para todos“: jedem kleinen Territorium ein bisschen sogenannte Autonomie. Der Dezentralisierungsgedanke (der die Alliierten bei der Bundesländereinteilung geleitet hatte) wurde damit ins Gegenteil verkehrt. Das französische Modell der Departamentalisierung, das die jakobinische Vorherrschaft der Hauptstadt Madrid zementierte, war denkbar ungeeignet, das katalanische, baskische und galicische Problem zu lösen.

Der zweite gravierende Fehler war, dass der erste demokratische Entwurf der spanischen Verfassung unter der drohenden Präsenz des nachfranquistischen Militärs und eines eventuellen Militärputsches (wie er denn auch am 23. Februar 1981 von Tejero tatsächlich versucht wurde) sofort wieder zentralistisch zurückgefahren wurde und die vorgesehenen Kompetenzübertragungen („transferencias“) von der Zentralregierung auf die „Autonomien“ nur halbherzig in die Verfassung aufgenommen wurden und auf jeden Fall so unscharf formuliert waren, dass einer Rückkehr zum Zentralismus weiter Auslegungsspielraum offen blieb.

Die demokratische Aufbruchsstimmung unter der ersten sozialistischen spanischen Regierung hatte die Katalanen veranlasst, bei einem Neuaufbau eines demokratischen spanischen Staates kräftig mitzuwirken. Doch seit der Jahrtausendwende wurde, zunächst nur Einzelnen, bald aber auch einem größeren Teil der Bevölkerung und jetzt inzwischen der Mehrheit der Landesbevölkerung klar, dass Katalonien in eine Falle getappt ist. Dass sich der Weg eines Zusammengehens mit dem immer noch im tiefsten zentralistisch fühlenden Spanien als Sackgasse erweist. In letzter Zeit bricht die vehemente antikatalanische Einstellung der Mehrheit der Spanier derartig unverblümt zu tage, dass die Mehrheit der Katalanen, einschließlich der eingewanderten Spanier, überzeugt ist, dass Spanien an einem multikulturellen Staat nicht interessiert ist.

Es stellt sich für jeden immer deutlicher heraus, das ein Großteil des spanischen Establishments von jeher gegen die Dezentralisierung gewesen ist und nur für eine Weile stille gehalten hatte. Mit Macht und in Gestalt der rechtslastigen sogenannten „Volks“partei, die am Regierungssteuer ist, versucht Spanien das Ruder zurückzuwerfen. Man hat ein Gesetz verabschiedet, das ein Referendum, das die Volksmeinung über die politische Zukunft demokratisch abfragt, unter Strafe stellt. Das spanische Verfassungsgericht ist politisch besetzt und entscheidet parteiisch und hat dadurch alles Prestige verspielt. Die Entscheidungen dieses Verfassungsgerichts sind sogar schon als rassistisch kritisiert worden, weil einem spanischen Kind in der Schule mehr Rechte als einem katalanischen Kind zugesprochen wurden. Die Regierung kann jedenfalls damit rechnen, dass alle antikatalanischen und zentralisierenden Gesetze bei diesem Gericht durchgehen und dass alle Versuche Kataloniens, die spanische Verfassung im Sinne ihrer ersten Verfasser anzuwenden, abgeschmettert werden.

Gesetze, die das spanische Parlament mit absoluter Mehrheit laufend beschließt, schnüren Katalonien immer mehr den Hals zu. Besonders an die katalanische Sprache und das katalanische Schulsystem wird Hand angelegt. Der spanische Erziehungsminister (den es wie im deutschen Bundesstaat garnicht geben dürfte) regiert in die Kompetenzen Kataloniens hinein und hat erklärt, sein Ziel sei es, die katalanischen Schüler wieder zu „spanisieren“. (Es klingt nach Francos Dekreten, als er in Katalonien einmarschierte.) Er tritt damit (und mit voller Rückendeckung durch die spanische Regierung) in ein in Katalonien besonders heikles Fettnäpfchen. Die Hasstiraden von Spaniern gegen Katalanen im Internet nehmen kein Ende und selbst spanische Politiker geben Äußerungen gegen Katalonien von sich, die sich weit unter einem europäschen Mindeststandard von politischem Niveau bewegen.

Was in spanischen Zeitungen täglich über Katalonien geschrieben wird, ist hanebüchen. Eine Gruppe junger Spanier, die sich mit zum Hitlergruß erhobenen Armen abbilden lassen, will alle Balkone, die die katalanische Unabhängigkeitsflagge tragen, fotografieren und mit Adressen auflisten, damit die Guardia Civil nach dem ersehnten Umschwung in Spanien sogleich weiß, wen sie verhaften muss. Viele Katalanen sehen keinen Sinn mehr daran, mit solchen Nachbarn in einem Staat zusammenzuleben. Eine junge Andalusierin, Mel Dominguez, die in Katalonien wohnt, hat ein Video bei youtube eingestellt („A mi me hablas en español“), in dem sie gegen die blinde Katalanophobie der Spanier (z. B. auch die ihres Vaters) protestiert. Das Video hatte in 10 Tagen zwei Millionen Besucher. Daraus kann man entnehmen, welche Unruhe und Protest der spanische Hass hervorruft.


Finanzausgleich: statt Solidarität Ausbeutung

Was aber das Fass zum Überlaufen gebracht hat, ist die staatliche Umverteilung der Steuereinnahmen auf die einzelnen „autonomen“ Gemeinschaften Spaniens. Nach jahrelangem Druck hatten das Finanz- und Wirtschaftsministerium endlich die Zahlen bekanntgegeben, wie das Steueraufkommen in Spanien verteilt wird. Dabei stellt sich klar heraus, dass Katalonien seit Jahrzehnten systematisch um seinen wirtschafltichen Ertrag geprellt wird, und dass Spanien seit Jahrzehnten auf Kosten Kataloniens lebt. Die Katalanen haben es jetzt schwarz auf weiß, dass 9 bis 10 % ihres Sozialprodukts statt in ihr Land und in ihre Infrastrukturen investiert zu werden, dazu dienen, um in Spanien Flugplätze zu bauen, die dann keine Fluggesellschaft anfliegt. 39 Flughäfen in Spanien sind im Defizit – mehr als Deutschland überhaupt Flugplätze hat. Schnellbahnlinien wurden radial von Madrid aus ins ganze Land gebaut, um es an seine Hauptstadt zu binden. Doch einzelne Strecken mussten schon wieder stillgelegt werden, weil nur noch 5 Passagiere pro Zug das Angebot nutzten. Spanien hat das größte Schnellbahnbauprojekt Europas. Nur die Linien, die Katalonien benötigt, sind um ein Jahrzehnt verzögert worden.

Der Bau der Mittelmeerschnelltransporttangente Gibraltar-Alacant-València-Barcelona-Perpinyà und weiter nach Lyon-Frankfurt-Schweden wird von Madrid boykottiert, weil Europa aus Kostengründen abgelehnt hat, sie über Madrid zu leiten (Madrid liegt eben nicht am Mittelmeer!). Autobahnen werden in Spanien außerhalb Kataloniens ohne Maut benutzt, weil aus Steuergeldern gebaut. In Katalonien wird jeden Tag den Benutzern das Geld aus der Tasche gezogen. Katalanen zahlen also mit ihren Steuern, dass die spanischen Autobahnen gratis befahren werden können, werden aber im eigenen Lande für jeden Kilometer zur Kasse gebeten.

Zu der Geldverschwendung an sich kommt die Tatsache hinzu, dass Katalonien in eine wirtschaftliche Notlage gebracht wird, die von Madrid verschuldet ist. Katalonien wäre restlos schuldenfrei, wenn es über sein eigenes Geld verfügen könnte. Die gravierenden Einsparungen im katalanischen Gesundheitswesen, die jeder Katalane am eigenen Leib spürt, wären unnötig. Ebenso unnötig wie die Gehaltskürzungen in allen Bereichen. Übrigens ist das Baskenland tatsächlich schuldenfrei, weil es seine Steuergelder selbst eintreibt, wie es Katalonien auch tun möchte. Musste die ETA existieren, damit das Baskenland besser gestellt wurde, als Katalonien? Es ist offensichtlich: Katalonien hat sich bei der Festlegung der Staatsstrukturen nach dem Ende der Diktatur von Madrid über den Tisch ziehen lassen.

Die Schulden, die Madrid allein in den letzten zwei Jahren in Bezug auf gesetzlich und haushaltsmäßig festgelegte Verpflichtungen gegenüber Katalonien aufgehäuft hat, gehen schon wieder in die Milliarden – abgesehen von den 18 Milliarden, die Madrid jährlich aus dem katalanischen Steueraufkommen in politisch genehme Regionen Spaniens umleitet und umverteilt. Von einem solidarischen Finanzausgleich nach bundesrepublikanischem Muster kann hier nicht mehr die Rede sein, da es sich um zehnfach höhere Summen handelt, was in Deutschland das Solidaritätssystem zum Platzen gebracht hätte.

Aus alledem geht hervor: Spanien hat nicht das geringste Interesse, am Verhältnis mit Katalonien etwas zu ändern. Die katalanische Wirtschaftsleistung soll weiterhin dazu dienen, die Finanzen Spaniens zu retten und die wirtschaftlichen Fehlentscheidungen zu decken. Dies kann man wirtschaftstechnisch nur noch so bezeichnen: Katalonien soll weiterhin als Kolonie für Spanien dienen.


Katalonien steht mit dem Rücken zur Wand

Katalonien hat keinerlei auf spanische Gesetze gestützte Hebel in der Hand, um diese Situation zu ändern. Ob die Europäische Union in diese Ausbeutungssituation einzugreifen bereit ist, ist mehr als ungewiss. Denn es ist unsicher, ob die EU für ein gesund wirtschaftendes Katalonien als möglichem mediterranen Musterstaat ein dann marodes Spanien in Kauf nehmen würde. Ob die internationalen Gerichtshöfe sich auf eine Klage Kataloniens gegen Spanien einlassen würden, ist ebenso unsicher.



Kataloniens demokratische Rechte

Was Katalonien allein in der Hand bleibt, sind demokratische Grundmanifestationen, Wahlen, Demonstrationen, Abstimmungen. 2010 gingen 1 Million Katalanen auf die Straße, um gegen die finanzielle und identitäre Drangsalierung durch Spanien zu protestieren. Am 11. September 2012, dem katalanischen Nationalfeiertag, waren es über 1,5 Millionen, die unter dem Lemma „Katalonien, ein neuer Staat in Europa“ demonstrierten. Jedes Jahr gab es erneut diese Demonstrationen, die sich 2013 in Form einer 400 km langen Menschenkette von den Pyrenäen zum Ebre, am 11. September 2014 mit einem Sieges-V auf den größten Transversalalleen Barcelonas und am 11.9.2015 sogar mit 2 Millionen Teilnehmern manifestierten.

Bei den Wahlen am 25.11.2012 wurden mit einer ungewöhnlich hohen Wahlbeteiligung 87 von 135 Abgeordneten gewählt, deren Parteien ein Referendum zur Unabhängigkeit oder eine Loslösung von Spanien befürworteten. In dem inofiziellen Referendum vom 9. November 2014 zeigten 2,3 Millionen Wähler bürgerlichen Ungehorsam gegen den spanischen Staat, der den Wahlgang verboten hatte. 80 % von ihnen wählten ein „Ja“ für die Unabhängigkeit. Ein unübersehbares Votum gegen die von Spanien geltend gemachten Besitzrechte an Katalonien, die jede demokratische Entscheidung mundtot machen sollen. Immer verbohrter igelt sich Spanien in diese Position ein und merkt, dass ihr immer mehr Felle davonschwimmen.

Es ist möglich, dass eine mehrheitliche Erklärung eines neuen katalanischen Parlaments die einseitige Loslösung von Spanien erklärt. Dann werden die Juristen miteinander zu kämpfen haben. Hoffentlich wird dann die internationale Presse, deren Korrespondenten fast alle in Madrid sitzen, nicht, wie bisher meist, nur den Madrider Standpunkt vertreten. Es scheint jedenfalls durchaus möglich, dass Spanien Katalonien verlieren wird.

Die Kulturkomptenz der Spanier aller Generationen reicht nicht aus, um ein multikulturelles Spanien zu akzeptieren, in dem z. B. Katalonien auf gleicher Augenhöhe mit Spanien stehen kann.


Prof. Dr. Tilbert Dídac Stegmann und Diplocat

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Betr. “Katalanen proben die Unabhängigkeit” von S. Bastaroli, Die Presse 24.09.15

Sehr geehrte Damen und Herren,

Erlauben Sie mir folgende Bemerkungen über den o.g. Artikel:

-Die radikale Linken gehören nicht zu der “Mas bunte Anti-Spanien-Koalition”. Ein Teil davon (CUP) hat eine eigene Liste, die auch für die Unabhängigkeit ist. Der Rest der radikale Linke hat sich mit den spanischen Partei Podemos einer anderen Liste angeschlossen, die sich für den Verbleib in Spanien ausspricht.

-Aus Brüssel ist nur gesagt worden, was eine Selbstverständlichkeit ist: dass Katalonien nicht automatisch Mitglied der EU bleibt. Aber die meisten Experten (natürlich nicht die von den spanischen Regierung) meinen, dass aus vielen Gründen die Verhandlungen über die neue Admission Kataloniens in der EU sehr rasch erfolgen würden. Auch der Anschluss an den Binnenmarkt ginge keineswegs verloren. Notfalls könnte ein bilateraler Vertrag (Wie bei Norwegen oder die Schweiz) aushelfen.

-Das neue Autonomiegesetz wurde 2011 nicht nur als Verfassungswidrig deklariert weil Katalonien darin als Nation bezeichnet wurde. In Wirklichkeit wurden als Verfassungswidrig eine Reihe von Artikeln des Gesetzes, die für Katalonien viel grössere Kompetenzen bei Finanz, Wirtschaft, Bildung und Kultur bedeuteten. Dadurch wurde die katalanische Autonomie bis zur Lächerlichkeit demontiert.

-Gekränkter Stolz, anders als bei den Spaniern, spielt für den Katalanen keine Rolle. Wohl aber die ständige Beschneidung der katalanischen Kompetenzen in allen Bereichen und die Vernachlässigung der katalanischen Infrastruktur zugunsten des Baus leere Flughäfen, unrentablen Bahnlinien und aufgeblähte Verwaltungen (während Katalonien die spanische Region mit den geringsten Beamtenzahl je 1000 Einwohner ist.)

Mit freundlichen Grüße

Pere Grau
Hamburg

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Freitag, 25. September 2015

Wäre ein unabhängiges Katalonien wirtschaftlich überlebensfähig?


Am Sonntag finden in Katalonien "plebiszitäre" Regionalwahlen statt. Fünf Millionen stimmberechtigte Katalanen sind aufgerufen, indirekt über die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien zu entscheiden.
Die Einheitsliste separatistischer Parteien "Junts pel Si" kann mit einer knappen absoluten Mehrheit rechnen. Doch neben Nationalgefühlen spielen für viele Katalanen vor allem die wirtschaftlichen Folgen einer Unabhängigkeit eine entscheidende Rolle für ihre Stimmenabgabe.
Katalonien erholt sich wie der Rest Spaniens nur langsam von der Wirtschaftskrise. Die Arbeitslosigkeit liegt immer noch bei über 22 Prozent. Somit rücken vor allem zwei Fragen zum Ende der Wahlkampagne in den Mittelpunkt sämtlicher Diskussionen: Was kostet die Unabhängigkeit? Und ist ein unabhängiges Katalonien wirtschaftlich überhaupt überlebensfähig?

Katalanische Politik für Katalanen

Die Antwort des separatistischen katalanischen Regionalpräsidenten Artur Mas (CDC) ist eindeutig: Ein katalanischer Staat vertritt die Interessen der Katalanen besser als die spanische Zentralregierung, die seit Jahren mit einer katastrophalen Wirtschaftspolitik auf die Krise reagiert und nicht die Investitionen in Katalonien macht, die nötig sind, um die Krise zu überwinden.
"Die Popularität unserer Unabhängigkeitsbewegung ist selbstverständlich mit dieser wirtschaftlichen Frage verbunden, gerade für die jungen Generationen. Wir brauchen die Unabhängigkeit, um die juristischen und wirtschaftlichen Werkzeuge zu haben, die Krise zu überwinden", erklärt auch Jordi Sanchez, Vorsitzender der Katalanischen Nationalversammlung ANC. Die Bürgerbewegung gehört neben den beiden großen separatistischen Parteien zur treibenden Kraft der Unabhängigkeitsbewegung.

Teure neue Staatsstruktur

"Niemand weiß, ob Katalonien alleine schneller die Krise überwunden hätte. Ich bezweifle das. Wir wissen aber, dass ein unabhängiges Katalonien einen enorm hohen Schuldenausgleich mit Spanien zu begleichen hätte. Zudem müssten sie den kostspieligen Aufbau neuer Staatsstrukturen tragen, was die beginnende Überwindung der aktuellen Krise in Katalonien um Jahre oder Jahrzehnte zurückwerfen würde", erklärt der spanische Wirtschaftsexperte Jose Piquer von der Madrider IE University.
Die separatistische Regionalregierung ist sich der schwierigen Ausgangslage bewusst. Die Kosten sind schlecht zu schätzen. Alles hängt davon ab, wie die Verhandlungen mit Madrid nach der Unabhängigkeit über Schulden, Steuern und Pensionen enden. Fraglich ist auch, ob sich Katalonien eine Armee leisten würde und ob man neues Geld drucken muss oder den Euro behalten kann. Elisenda Paluzie, Wirtschaftsexpertin und Kandidatin des separatistischen Parteienbündnisses "Junts pel Si", schätzt die Kosten auf bis zu 202 Milliarden Euro. "Durch die Einbehaltung der bisher nach Madrid abzugebenden Steuern, die größtenteils nicht zurückfließen, sondern in strukturschwächeren Regionen Spaniens landen, stünden Katalonien jährlich über zwölf Milliarden Euro mehr zur Verfügung", gibt Paluzie allerdings zu bedenken.

Würde Katalonien in der EU bleiben?

Auch andere Wirtschaftsexperten sind sich sicher, dass Spaniens wirtschaftsstärkste Region, die rund 20 Prozent des spanischen Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet und mit seinen 7,5 Millionen Einwohnern 16 Prozent der spanischen Bevölkerung ausmacht, auf lange Sicht wirtschaftlich überleben kann.
Doch das hängt davon ab, ob Katalonien auch weiterhin in der EU und im Euroraum bleiben kann, sollte es sich einseitig für unabhängig erklären. Das Problem: Die spanische Zentralregierung will ein Unabhängigkeitsreferendum und eine Abspaltung Kataloniens nicht zulassen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker versicherte noch am Dienstag, Katalonien würde bei einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung nicht nur automatisch aus der EU fliegen, sondern habe auch gar nicht das Recht, die Unabhängigkeit auszurufen, weil dies gegen die spanische Verfassung verstoße.
Bei der zu erwartenden Frontalkonfrontation zwischen Madrid und Barcelona dürften nur wenige EU-Staaten, aber auch andere Länder wie die USA, nicht bereit sein, wirtschaftliche und politische Beziehungen zu Katalonien aufzubauen, versichert Jose Piquer.

Bis zu 35 Prozent Arbeitslosigkeit

Kataloniens Bank würde damit der Zugang zu Hilfen der Europäischen Zentralbank versperrt. Heute überlebenswichtige EU-Fördergelder für Bauern, Industrie und andere Wirtschaftszweige würden ebenfalls wegfallen. Auch die internationalen Investitionen gingen laut verschiedenen Finanzexperten bei einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung extrem zurück. Von den katalanischen Exporten, die in EU-Staaten mit Zöllen belegt werden müssten, nicht zu reden. In einem solchen Panorama würde die Arbeitslosigkeit auf bis zu 35 Prozent klettern können, so Fachleute.
Die Möglichkeit, aus der EU auszuscheiden, macht viele Wähler nun zu Recht nervös und damit auch die Separatisten. Jüngster Beweis: Auf die Ankündigung des spanischen Notenbankchefs Luis Maria Linde, Katalonien würde bei einer Abspaltung den Euro und die EU-Mitgliedschaft verlieren, antwortete Mas mit der Möglichkeit, dass Katalonien vielleicht einfach nicht mehr seine Schulden mit Spanen begleichen könnte.

Quelle: Format

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Mittwoch, 23. September 2015

Artikel von Leo Wieland “Das Kapital fürchtet Podemos und die Separatisten” FAZ 22.09.15

Betr. Artikel von Leo Wieland “Das Kapital fürchtet Podemos und die Separatisten” FAZ 22.09.15

An Herrn Berthold Kohler und Herrn Klaus-Dieter Frankenberger.

FAZ

23.09.15

Sehr geehrter Herr Kohler,

Sehr geehrter Herr Fankenberger,

Vorweg möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen, wenn ich heute wieder mal einen Artikel von Herrn Leo Wieland beanstande. Es ist ermüdend. Ich hoffe aber auf Ihren Verständnis für folgendes Argument: wenn Herr Wieland uns immer wieder dieselbe tendenziöse Berichterstattung auftischt, sind wir Katalanen verpflichtet auch immer wieder dagegen zu argumentieren.

In dem o.g. Artikel stellt Herr Wieland eine Reihe von Behauptungen auf, die er aus der spanischen Presse übernommen hat, die nur ein Produkt der verzweifelten Propaganda der Zentralregierung gegen die katalanische Unabhängigkeitsbewegung sind. Im einzelnen, und nur um einige der strittigen Punkten zu erwähnen:

– Inwieweit die Möglichkeit eines Wahlsieges von Podemos die internationale Finanzwelt beunruhigen kann vermag ich nicht zu beurteilen. Was die Möglichkeit der Unabhängigkeit Kataloniens betrifft ist Fakt, dass die Investitionen von ausländischen Firmen in Katalonien nicht nur keineswegs rückgängig sondern 2015 sogar wieder gestiegen sind.

– “Die Abkoppelung...könnte wirtschaftlich fatale Folgen sowohl für Spanien als auch für Katalonien haben”. In Wirklichkeit hätte eine Trennung, die zwischen Spanien und Katalonien demokratisch verhandelt werden würde, hätte keine negative Folgen für beide Länder, da die Katalanen dann einverstanden wären a) einen gerechten Teil der spanischen Schulden zu übernehmen und b) eine Zeit lang Spanien zu helfen, die Folgen der Trennung zu überwinden.

– Alle Argumenten über die Schulden Kataloniens sind verlogen wenn man nicht hinzufügt, dass diese eine Folge der schädlichen und unverantwortlichen Politik der Zentralregierung gegenüber der katalanischen Autonomie ist. Ohne dieses riesige Handicap kann Katalonien sehr schnell seine Schulden auf das übliche Niveau von Ländern wie die skandinavischen oder die der Benelux begrenzen. Es gibt genügende Studien (auch von Wissenschaftler aus Harvard, MIT, der London School of Economics, u.s.w.) die es bestätigen. Ein “corralito” würde keineswegs entstehen.

– Im Gegenteil zu der Behauptung von Herrn Wieland sind die Unternehmer, die nichts gegen die Unabhängigkeit haben, nicht “eine Organisation kleiner Firmen die um die Subventionen der Regionalregierung fürchten”. Es sind die Mehrheit der mittleren und kleinen Unternehmen, die fast 95 % der Arbeiststellen in Katalonien repräsentieren. Die Gegner der Trennung sind die Vertreter von grossen Unternehmen, die oft von der

– n Aufträgen und Auschreibungen der Zentralregierung leben, die aber in Katalonien selbst eine kleine Minderheit darstellen.

– Die Gefahr, dass “die Region eine Regierung nach Art von Syriza bekommt” ist höchst unwahrscheinlich, da die 2 Hauptparteien der Unabhängigkeitsbewegung (die liberale CdC, und die sozialdemokratische ERC) weit entfernt von den Ideen von Syriza sind. Man könnte noch vieles dazusagen, aber ich möchte Ihre werte Geduld nicht über Gebühr strapazieren.

Nur eines zum Schluss: die Entwicklung der Ereignisse in den nächsten Wochen und Monaten werden zeigen, dass Herr Wieland seit langem Ihrer Zeitung eine ganz verkehrte Berichterstattung übermittelt hat.

MfG.

Pere Grau, Hamburg.

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Donnerstag, 3. September 2015

Betr. Leo Wieland. “Der Preis der Unabhängigkeit Kataloniens”, FAZ 2.09.15

Sehr geehrter Herr Frankenberger,

Entschuldigen Sie bitte, dass ich mich nochmals direkt an Sie wende. Meiner Erfahrung nach wird ein kurzer Leserbrief über dieses Thema nicht veröffentlicht und landet wahrscheinlich im Papierkorb, bevor Sie ihn lesen können.

Wahrscheinlich bin ich bei der FAZ schon als “Persona non grata “, als ewiger Nörgler eingestuft. Aber Herr Wieland darf nicht unbeantwortet bleiben als ob er die Fakten korrekt widergeben würde. Ich habe grossen Respekt für die meisten Mitarbeiter der FAZ und bewundere besonders solche grossartige Korrespondenten wie Rainer Hermann, Kerstin Holm oder Tobias Piller, um nur ein paar von vielen hervorragenden Namen zu nennen. Unparteilichkeit und Ausgewogenheit sind in der Regel ausgezeichnete Merkmale der FAZ. Bei Herrn Wieland aber scheinen es unbekannte Begriffe zu sein und, wie in seinem letzten Artikel, wiederholt er einfach alle Wahrheitsverdrehungen der Madrider Politik und Presse. Damit bekommen die Leser der FAZ unnötigerweise einen falschen Eindruck der Geschehnisse in Katalonien. Um nur einige Beispiele in dem letzten Artikel zu nennen (es sind alles nachprüfbare Fakten, wenn man sich die Mühe macht und nicht einfach die Madrider Zeitungen kopiert):

1.”Das restliche Spanien ist für Katalonien der wichtigste Markt”. Falsch. Die jetzige Verteilung des katalanischen Warenabsatzes ist : 30 % in Katalonien selbst, 30 % im Rest Spaniens (Tendenz fallend) und 40 % im Ausland (Tendenz steigend). Wenn ein spanischer Boykott kommen würde (dessen Erfolg sehr unwahrscheinlich ist) wäre Spanien (nach den jetzigen Gegebenheiten) mehr geschädigt als Katalonien.

2.”Der Region wird seit mehreren Jahren nur auf Sparflamme regiert...weil Mas nur von einem missglückten Referendum zum nächsten taumelt”. Falsch. Die katalanische Landesregierung hat alles Erdenkliche getan, um den Folgen der Krise entgegenzuwirken, obwohl die Zentralregierung diese Bemühungen ständig boykottiert hat, a) indem der Spardruck auf die Regionen aufgewälzt wurde, b) viele Massnahmen der katalanischen Regierung als Null und Nichtig erklärt hat, und c) indem sie mehrere ihrer gesetzlich bestimmten finanziellen Verpflichtungen gegenüber Katalonien nicht erfüllt hat.

3.”Katalonien ist die am höchsten verschuldete unter den 17 spanischen Regionen”. Das ist korrekt, aber wenn man davon spricht, sollte man auch die Gründe dafür erklären, und diese liegen in der Unausgewogenheit zwischen den Steuermitteln, die der Zentralstaat aus Katalonien entnimmt und den Diensten und Investitionen die Katalonien von Spanien bekommt. In den letzten 25 Jahren sind das mehr als 250 Milliarden. Wenn der Mittelabfluss nur die Hälfte gewesen wäre (und das wäre auch weit mehr als die Defizite Bayerns oder Baden-Württemnbergs im LFA) hätte Katalonien keine Schulden. Die katalanische Landesregierung hat nur die Hoheit über 5% der in Katalonien eingezogenen Steuern. Mit dem Rest macht die Zentralregierung was ihr beliebt.

4.Die Abwanderung von Unternehmen aus Katalonien ist bis jetzt eine unbewiesene Behauptung. Bewiesen ist aber z.B. , dass mehrere der internationalen Konzerne, die in Katalonien Betriebe haben, sich für eine Erweiterung ihrer Investitionen im Land entschieden haben.

5.”Der spanische Aufschwung, der auch in Katalonien spürbar wird, schwächt die Separatisten”. Doppelt falsch. Erstens, dieser sogenannte Aufschwung ist lediglich eine Minierholung, die ganz geringe Wirkungen auf die Arbeitslosigkeit hat. Von einem Trend mit möglichen politischen Folgen ist er weit entfernt, und Spanien bleibt mit Abstand das Land mit der höchstn Arbeitslosenquote der EU (FAZ. 3.09.15). Und zweitens, alles spricht im Moment dafür, dass die Unabhängigkeits-bewegung nicht nur nicht kleiner wird sondern weiter wächst. Die Wahlen am 27. September werden es zeigen.

Und 6. Die Frage ob Katalonien, aus europäischer Solidarität Griechenland helfen will, aber nicht Andalusien im eigenen Land, ist nicht nur lächerlich sondern auch böswillig. Die Katalanen haben auf jede erdenkliche Weise ihre Solidarität mit den ärmeren Regionen Spaniens gezeigt. Wogegen sie sich wehren ist, dass diese Hilfe, die eine Selbstverständlichkeit ist, ihre eigenen Möglichkeiten überfordert, sodass am Ende der Helfer viel schlechter dasteht als die Geholfenen.

Wie gesagt, alles was ich ausgeführt habe, ist nachprüfbar.

Mit Respekt und Bewunderung für Ihre Arbeit in einer der besten Zeitungen Europas, verbleibe ich

Mit freundlichen Grüße

Pere Grau

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Freitag, 28. August 2015

Betr. “Expansion der Separatisten” von Leo Wieland, FAZ 27.08.15

Leider hat Ihr Korrespondent wieder einmal nur die Madrider Presse nachgeplappert, anstatt sich über den Erklärungen des katalanischen Justizministers Gordó richtig zu informieren. Das ist nichts Neues aber auch nichts Erfreuliches.

Es gibt keinen “imperialeren Traum eines Großkataloniens”. Es gibt aber einen gemeinsamen lingüistischen und kulturellen Raum mit den Territorien, die von Herrn Wieland aufgezählt werden. Das hat mit “imperialer Expansionspolitik” so wenig zu tun wie die kulturelle Bruderschaft Österreichs mit Südtirol oder die von Frankreichs mit Quebec, um nur zwei vergleichbare Beispiele zu zitieren. Auch diese Länder kümmern sich um das weitere Bestehen des Deutschen oder des Französischen in anderen Territorien Es ist kein grosskotziger Traum sondern eine einfache kulturelle Tatsache. Was politisch in Zukunft in Valencia oder in den Balearen geschieht, wird ausschliesslich davon abhängen, was die dortige Bevölkerung wünscht, nicht davon was man in Katalonien denken oder wünschen könnte. Das ist kein Geheimnis sondern die Position aller katalanischen Politiker seit vielen Jahren.

Wenn jetzt in Madrid die Nerven blank liegen und in der spanischen Presse -auch in Bezug auf die vorgesehenen spanischen Parlamentswahlen- die Worte katalanischer Politiker nach Belieben umgedreht werden, ist es keine Überraschung, aber ein FAZ-Journalist sollte nicht in so eine grobe Falle hineintappen.

Pere Grau
Hamburg

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Montag, 3. August 2015

Artikel von Werner A. Perger “Katalanismus von oben” (Zeit Online, 1.08.15)

Sehr geehrte Damen und Herren,

Es tut weh, in einer der besten Zeitschriften Europas wie es Die Zeit ist, einen so armseligen Artikel lesen zu müssen. Er entspricht nicht dem Niveau Ihres Hauses, da er nur die Propaganda und die Verdrehungen nachplappert, die die spanische Regierung gegen die katalanische Unabhängigkeits-bewegung benutzt, ohne sich um die Wahrheit zu scheren.

Ich möchte diesen Brief nicht ins uferlose wachsen zu lassen, aber ein Paar Stichworte zu dem Text von Herrn Perger erachte ich für notwendig:

1) Schon der Titel ist irreführend. Es ist nicht “Katalanismus von oben” sondern “von unten”. Die These der Madrider Politiker ist schon seit langem, dass alles ein Konstrukt von Ministerpräsident Mas ist, um die Leute “von den wirklichen Problemen des Landes” abzulenken. Die Wahrheit ist, dass Mas sich nur der Wut der Bevölkerung gebeugt hat, und nicht allein sondern zusammen mit Politikern anderer Parteien und mit Vertretern mehrerer Bürgerbewegungen einen politischen Rahmen für diese Wut organisiert hat, die sich nicht gegen die spanische Bevölkerung sondern nur gegen die spanische Regierung richtet und einen vielfältigen Grund hat (politischer, kultureller und wirtschaftlicher Art

2) Weder die Separatisten waren verschwunden, noch war die Volksbefragung im November eine Enttäuschung. Gegen das ausdrückliche Verbot der spanischen Regierung haben 2,3 Millionen Katalanen sich in einem Akt von friedlichen zivilen Ungehorsam mit ihrer Stimme in behelfsmässigen Urnen zu 80 % sich für die Unabhängigkeit ausgesprochen. Wenn man die Art, wie diese von den spanischen Regierung verbotenen Volksbefragung zustandekam, berücksichtigt, war es alles andere als eine Enttäuschung. Es war eher das Ende der Angst der Katalanen vor den Repressionsmöglichkeiten des Staates.

3) Die Trennung von der kleinen Partei UDC von der Partei des Präsidenten hat zur Spaltung der UDC geführt, da mehr als die Hälfte der Mitglieder auch für die Unabhängigkeit sind. Der Vorsitzende von UDC, Duran, verfolgt eine föderale oder konföderale Lösung, die rein utopisch ist, da es in der spanischen Politik unmöglich ist eine parlamentarische Mehrheit dafür zu bekommen, ganz egal wie die Regierung aussieht jetzt oder in der Zukunft.

4) Der Vergleich mit Syriza ist absolut abwegig. ERC (Republikanische Linke) ist keine linkssozialistische Partei sondern eine sozialdemokratische. Wahr ist es, dass die Parteien und Vereine, welche die Einheitsliste “Zusammen für das Ja” bilden, nur das Thema der Unabhängigkeit bindet und nur für eine begrenzte Zeit gilt. Die haben sich aber auf ein Mindestprogramm von dringenden sozialen Reformen für diese Zeit geeinigt.

5) Der Vergleich der zwei Hauptparteien mit der Liste CDC und ERC mit CSU und die Linke ist vollkommen abwegig. CDC entspricht eher dem linken Flügel der CDU und ERC den der SPD von Frau Nahles oder Herrn Steinmeier.

6) Bei dem letzten Satz des Artikels ist Herr Perger auf eine Zeitungsente reingefallen. Präsident Mas hat nie den ihm zugeschriebenen Satz gesagt. Irgendein Schreiberling in Madrid hat sich das ausgedacht (Ja, das ist in Spanien wohl möglich) und andere Zeitungen haben es schnell weitergegeben ohne den Wahrheitsgehalt der Meldung nachzufragen.


Mit freundlichen Grüße.

Pere Grau, Hamburg

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Mittwoch, 17. Juni 2015

Antwort auf den Brief des spanischen Botschafters Garcia-Berdoy: “Katalonien? Eine Sache aller Europäer!”





Am 9. Mai veröffentlichte die FAZ einen Brief des spanischen Botschafters in Berlin als Antwort auf einen Artikel des katalanischen Präsidenten Artur Mas vom 9. April.

Der Titel “Eine Sache aller Spanier” fasst die Grundaussage des Botschafters zusammen: die politische Zukunft Kataloniens ist eine interne Sache Spaniens, die von allen Spaniern entschieden werden soll.

Um zu verstehen, was das bedeutet, muss man erklären, dass wir Katalanen 16 Prozent der spanischen Bevölkerung darstellen. Wenn die Gesamtheit Spaniens über die politische Zukunft Kataloniens entscheiden soll, braucht man nicht lange zu rechnen, um zu sehen, dass die katalanische Meinung gegen die Meinung von 84 Prozent der Spanier immer in der Minderheit sein wird. Deshalb bleibt die Meinung der Katalanen wirkungslos, und die Zugehörigkeit der Katalanen zum spanischen Staat wird zu einem Zwang und nicht zu einem Willensakt.


Der Botschafter meint, wenn wir es wollen, könnten die Katalanen vorhandene Mechanismen nutzen, um die spanische Verfassung zu ändern. Den Mechanismus gibt es durchaus, aber der ist für die Katalanen in der Praxis nicht nutzbar. Katalonien verfügt über 47 Abgeordnete im spanischen Parlament, es sind aber mindestens 210 von 350 Stimmen notwendig, um die Verfassung ändern zu können. Es ist wahr, dass die Verfassung von 1978 durch eine überwältigende Mehrheit der Katalanen angenommen wurde. Aber welche Alternative hatten sie?


Die Lösung des katalanischen Problems ist nur durch einen Pakt zwischen den politischen Repräsentanten Kataloniens und dem spanischen Staat möglich. Es muss zu einer Vereinbarung kommen, die auf Verhandlungen und dem Konsens beider Seiten basiert. Das wurde schon mit dem neuen katalanischen Autonomiestatut von 2006 versucht. Das Statut von 1979 sollte aktualisiert werden, um es gegen die ständigen zentralisierenden Einmischungen seitens des spanischen Staates zu schützen, die seit der Regierung von José María Aznar in Gang gesetzt worden waren. Das katalanische Statut von 2006 wurde im spanischen Parlament verhandelt und verabschiedet, vom spanischen König unterzeichnet, und von den Katalanen in einem Referendum angenommen. Danach wurde das Statut aber Gegenstand einer Klage von der jetzt regierenden Volkspartei (Partido Popular) vorm Verfassungsgericht. 2010 erging ein Urteilspruch dieses Gerichts, der das katalanische Statut verstümmelte, in manchen Bereichen in die Selbstverwaltung Kataloniens hineinregierte, bis hin zu einem schlimmeren Zustand als in der Zeit des Postfrankismus. Das Verfassungsgericht ist ein hochpolitisiertes juristisches Organ, in dem z.B. der Vorsitzende ein ehemaliges aktives Mitglied der Fuerza Nueva (Neue Kraft: eine Partei der ultrarechte Anhänger von Franco) und zuletzt auch aktives Mitglied der PP war. Das Urteil von 2010 des Verfassungsgerichts baut eine unüberwindbare Mauer für die Katalanen auf; es ist ein Urteil das der Jurisprudenz die Hände bindet und es gibt keinen legalen Mechanismus, um dagegen anzugehen oder eine Revision zu erreichen.


Ab 2010 befindet sich die Selbstverwaltung Kataloniens in einer Sackgasse, und die Lage verschärft sich durch die Aggressivität der Regierung Rajoys, die ein Ausmaß erreicht hat, das seit der Franco Diktatur nicht mehr zu sehen war. Die Unabhängigkeitsbewegung wächst außerordentlich an, weil die Bürger feststellen, dass Katalonien innerhalb Spaniens keine Chance auf sein politisches und kulturelles Überleben hat.


Abgesehen von den Ursachen, die die Unabhängigkeitsbewegung beflügeln, können wir als Demokraten nicht akzeptieren, dass der spanische Staat uns das Recht, selbst zu entscheiden, mit der Ausrede verweigert , dass die spanische Legalität das nicht zulasse. Das Gesetz kann reformiert werden, wenn der politische Wille vorhanden ist. Das Gesetz an sich ist kein Synonym von Demokratie. Denn totalitäre Staaten bleiben totalitär, auch wenn sie Gesetze haben. Die Ignoranz der spanischen Regierung ist es, die uns in die jetzige Lage gebracht hat.


Wir Katalanen appellieren an das demokratische Bewusstsein der Europäer und bitten, dass diese auf die spanische Regierung einwirken, so dass sie den Willen der Katalanen, ihre Zukunft selbst zu entscheiden, akzeptiert. Europa kann sich nicht die Hände in Unschuld waschen. Die Haltung der Regierungen von Großbritannien und Kanada in Bezug auf Schottland und Quebec sollte als Modellbeispiel für Konflikte gelten, die all zu oft gewaltsam gelöst wurden. Wenn der ukrainische Konflikt eine Angelegenheit Europas ist, sollte der katalanische es umso mehr sein, da die Möglichkeit besteht, ihn friedlich zu lösen. Dänemark hat es verstanden und eine große Mehrheit des dänischen Parlamentes hat sich dafür ausgesprochen den politischen Konflikt zwischen Katalonien und Spanien durch einen friedlichen demokratischen Dialog zu lösen.

ANC Deutschland

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Montag, 13. April 2015

Katalonien hat das Recht auf eine Abstimmung

In einer Demokratie ist eines nur schwer zu rechtfertigen und daher kaum akzeptabel: den Bürgern eine Abstimmung zu verwehren. In Katalonien möchte die Mehrheit der Bevölkerung schon seit langem über die politische Zukunft ihres Territoriums abstimmen. Die Bürger möchten entscheiden, ob Katalonien Teil Spaniens bleiben soll oder der Moment gekommen ist, ein unabhängiger Staat und eigenständiges Mitglied der Gemeinschaft souveräner Staaten im Rahmen der EU zu werden. Das Streben nach Unabhängigkeit ist dabei keine Erfindung der Katalanen: Seit 2004 sind der EU dreizehn neue Staaten beigetreten, von denen sieben ihre Unabhängigkeit erst nach 1990 erlangten.

Die Bürger Kataloniens haben ihren Wunsch, abstimmen zu wollen, auf eine Art zum Ausdruck gebracht, die mich als Präsident des Landes besonders stolz macht. Sie haben friedlich, mit Gemeinschaftssinn und Einfallsreichtum demonstriert. Im September 2012 gingen in Barcelona 1,5 Millionen Bürger unter dem Motto "Katalonien, der nächste Staat Europas" auf die Straße. Im darauffolgenden Jahr waren es zwei Millionen Menschen, die eine 400 Kilometer lange Menschenkette bildeten. Und im vergangenen Jahr hat eine ähnlich große Zahl an Bürgern ein riesiges V auf den Straßen der Hauptstadt geformt. Für ein Land mit knapp 7,5 Millionen Einwohnern sind dies beeindruckende Zahlen. In Deutschland würde dies bedeuten, dass mehr als 19 Millionen Menschen auf die Straße gingen.

Die internationale Presse hat dies dokumentiert, und Experten zählen die Demonstration im vergangenen Jahr zu einer der größten der Weltgeschichte. Natürlich könnte man die genaue Höhe der Teilnehmerzahlen in Frage stellen, aber nicht das Ausmaß und die Stärke dieser Bürgerbewegung, die Mitglieder fast aller politischen Parteien vereint. Katalonien erlebt eine Volksbewegung, die trotz aller Unterschiede mit derjenigen vergleichbar ist, die vor 25 Jahren zum Fall der Berliner Mauer führte: Unerschütterlich und hartnäckig glauben die Bürger an ihre Sache. Die Geschichte wird zeigen, ob Katalonien vielleicht gerade dabei ist, neue Wege zur Lösung politischer und territorialer Konflikte zu entwickeln.

Unsere Bürger, von denen Umfragen zufolge 80 Prozent eine Volksbefragung befürworten - darunter auch viele Gegner der Unabhängigkeit -, stehen nicht allein mit ihrer wiederholten Forderung nach dem Recht auf Abstimmung. Im katalanischen Parlament haben 79 Prozent der Abgeordneten ihre Absicht bezeugt, abstimmen zu wollen, genauso wie 97 Prozent aller Bürgermeister Kataloniens und Tausende verschiedene Organisationen. Ein ganzes Land fordert, abstimmen zu dürfen, und die Menschen können nicht nachvollziehen, warum sie daran gehindert werden.

Die einzige Begründung, die der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy und seine Minister wieder und wieder anführen: Eine solche Abstimmung wäre laut spanischer Verfassung nicht zulässig, weil Spanien unteilbar sei. Dieses Argument ist jedoch falsch: Die Unabhängigkeit ist zwar nicht in der Verfassung vorgesehen, aber ein Referendum ist lediglich nur ein vorbereitender Schritt in diese Richtung und würde erst einmal dazu dienen, die Meinung der Bürger einzuholen. Das Problem ist im Grunde nicht juristischer, sondern politischer Natur.

Müssen Bürger einem Gesetz dienen, oder sollte es nicht eher umgekehrt sein? Darf der spanische Staat ein Gesetz von 1978 über die heutige demokratische Legitimität stellen? Erkennt die spanische Regierung nicht, dass sie Spanien nicht zu einem Käfig machen kann? Die vierzig Jahre Diktatur, in denen über nichts abgestimmt und über nichts entschieden werden durfte, liegen lange zurück. Spanien sollte inzwischen mehr demokratische Reife zeigen.

Am 27. September wählen die Katalanen das nächste katalanische Parlament. Zum ersten Mal seit 1980 werden dies besondere Wahlen sein, denn sie werden zweifelsohne einen plebiszitären Charakter haben. Da die spanische Regierung und ihre Gerichte ein gemeinsam vereinbartes Referendum blockieren, wie es in Kanada und Großbritannien mit großer Selbstverständlichkeit und gegenseitigem Respekt durchgeführt wurde, bleibt uns Katalanen nur der Ausweg, die Parlamentswahlen als Instrument zu nutzen, um herauszufinden, ob die Gründung eines katalanischen Staates die notwendige Unterstützung in der Bevölkerung hat.

Die Parteien, die diese Option unterstützen, werden dies explizit in ihren Wahlprogrammen aufführen, so dass der Grad der Unterstützung unmissverständlich ermittelt werden kann. Falls das Ergebnis eindeutig ist, dann hat die neue Regierung ein demokratisches Mandat zu erfüllen. In diesem Fall werden wir den Aufbau der nötigen staatlichen Strukturen abschließen, um einen reibungslosen Übergang zu garantieren, und hoffen, mit der spanischen Regierung und der Europäischen Union über einen Zeitplan sowie die Bedingungen für die Gründung eines neuen europäischen Staates verhandeln zu können. Dann wäre uns eine so einfache und gleichzeitig komplizierte Sache wie die Ausübung der Demokratie gelungen. 
Artur Mas.
Der Autor ist Präsident der Generalitat von Katalonien.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.04.2015, Nr. 82, S. 10 

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Dienstag, 24. Februar 2015

Zwei Katalanen müssen 900€ Strafe zahlen, weil sie ein Foto vom spanischen König verbrannt haben





Guifré Peguera Comas und Jordi Nogué Hernández wurden am vergangenen 2. Oktober von der Audiencia Nacional verurteilt, einem Gericht, das für besonders schwere Straftaten zuständig ist. Sie mussten 900€ Strafe zahlen, weil sie ein Foto des König Juan Carlos während des Katalanischen Nationalfeiertags in Mataró verbrannt haben.

Das Urteil bestätigt, dass sie eine “beleidigende” und “vorsätzliche” Tat begangen haben um “die Krone zu entehren”, weil diese “Symbol für die Einigkeit Spaniens und die Dauerhaftigkeit des Staates” ist. Der Kläger verlangte, dass sie wegen Beleidigung der Krone zu 10800€ Strafe verurteilt werden sollen.

Während des Prozess haben die beiden Studenten zugegeben, dass sie an der Tat beteiligt waren, obwohl sie angaben, dass nicht sie direkt das Abbild des Monarchen in Brand gesetzt haben. Nach den Angaben von Jordi Nogué hat er selbst das Foto dabei gehabt, während Guifré Peguera es mit Alkohol zum Anzünden übergossen hat -- aber keiner von beiden hat es angezündet. “Wenn ich es getan hâtte, würde ich es zugeben und ich würde es wieder tun. Aber ich war es nicht,” sagte Nogué.

Die beiden Katalanen argumentierten, dass die Tat während einer pro-Unabhängigkeits- und anti-Monarchie-Veranstaltung stattfand, weil diese seit “299 Jahren das katalanische Volk unterdrückt”. Die Personen, die demonstriert hatten, wurden vom Gericht identifiziert und wurden zu 300€ Strafe verurteilt, weil sie sich ohne Erlaubnis versammelt haben.

Wie man es von den Prozessen vor der Audiencia Nacional schon kennt, bei denen die Angeklagten oder Zeugen von ihrem Recht Gebrauch machen, Katalanisch zu sprechen, hat der Übersetzer immer wieder gezeigt, dass er diese Sprache nicht versteht. In diesem Falle hat er “menys” (“weniger”) als “mehr” übersetzt.

Die Verteidigung, die schon angegeben hat, dass sie Berufung einlegen wird, hat daran erinnert, dass es 2008 einen identischen Fall gab, bei dem die Straftat nur “Störung der öffentlichen Ordnung” war.
Español

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Dienstag, 20. Januar 2015

Wir brauchen eine parlamentarische Mehrheit der Independentisten um der internationalen Gemeinschaft erklären zu können, dass wir einen Staat gründen wollen und es ist dringend dies jetzt zu tun

Können Sie uns Ihre persönliche Entwicklung in Bezug auf die katalanische Frage vorstellen? Wurden Sie hier von kulturellen, sozialen, ökonomischen, historischen Aspekten oder durch Familientraditionen beeinflusst?:

Ich bin Independentist seit ich ein politisches Bewusstsein erinnern kann und seitdem mich Themen, die unsere Gesellschaft betreffen, interessieren. In der Tat, ich erinnere mich noch an den Tag, an dem ich begann mich für die Unabhängigkeit zu interessieren. Es war im Jahr 1992- ich war noch sehr klein, 10 Jahre alt- als einige Independentisten im Zuge der Operation Garzón (1) verhaftet wurden, dachte ich: „Sie haben einige von uns verhaftet“. So, nehme ich an, fühlt es sich sicherlich an, wenn man sich mit etwas identifiziert, wahrscheinlich nicht sehr rational in diesem Moment. Mit der Zeit beteiligte ich mich bei der Jugend von ERC. Ich bemerkte, dass es nicht nur um die Frage von Verteidigung von Identität und Sprache ging, sondern auch um das Recht der katalanischen Gesellschaft sich nach eigenen Bedürfnissen in jeder Hinsicht (Wirtschaft, Energie, Soziales und natürlich auch Kulturelles) zu organisieren.

Welche Vor- und Nachteile sehen Sie in einer einheitlichen und einer getrennten Wahlliste?:

Der Hauptvorteil einer gemeinsamen Liste liegt darin, dass sie, in einer Wahl mit plebiszitärem Charakter, den Konkurrenzkampf der Parteien um den überzeugtesten Independentisten vollständig eliminiert. Hier sollte sie tatsächlich quer, d.h. von den Christlichen Demokraten (UDC) bis zur CUP, vereinheitlicht werden.

Aus meiner Sicht ermöglichen mehrere verschieden Listen es mehr Wähler anzusprechen, da die Diversität, die es in einem Land gibt, berücksichtigt wird. Auch wenn die Independentisten auf eine Wahl um die Unabhängigkeit anstreben, so wählen die Wähler doch aus verschiedenen Gründen. Also müssen wir alle möglichen Mechanismen anbieten um die verschiedenen Empfindungen ansprechen zu können.

Jetzt führen Oriol Junqueras und Mas die Verhandlungen. Es sollten sich aber alle Parteien zusammensetzen und sprechen. Alles miteinander zu verknüpfen ist nicht einfach.

Sollte sich Katalonien morgen in einen Staat verwandeln, welche Aspekte wären als die dringendsten betrachtet, die geändert werden müssen?:

Zunächst das komplette System der Justiz, denn das spanische ist langsam, ungerecht und funktioniert nicht. So sollten auch Regulierungsmechanismen von Märkten geändert werden, denn derzeit – zu Spanien dazugehörend – sind sie von denen in Beschlag genommen worden, die sie eigentlich kontrollieren sollen (Banken, Energieproduzenten etc.).

Ein weiterer Aspekt im Zusammenhang mit der Fassung einer katalanischen Verfassung ist, diese als partizipativ zu gestalten. Die Verfassung soll flexibel sein um sich an die Änderungen anpassen zu können, die in einer Gesellschaft möglich sind. Die aktuelle (spanische) ist sehr rigide, auch wenn sie auf eine sehr verbiegbare Weise interpretierbar ist.

In welchen Aspekten – im Konkreten – würden sich die aktuelle Situation des Autonomiestatuts von einem katalanischen Staat unterscheiden? (Zum Beispiel würde ich einen Ansatz von ernsthaften und effizienten Rechtsgrundlagen gegen Tierquälerei oder geschlechtsspezifischer Gewalt fordern)

Sobald die Unabhängigkeit proklamiert wurde und als sozialer Notfall sollte zunächst das Thema der Zahlungsausfälle von Hypotheken behandelt werden. Es muss ein Gesetz kreiert werden, dass die in Zahlungsgabe der Immobilie und somit eine zweite Chance erlaubt (wir schlugen einen Entwurf im Parlament und im Kongress vor und sie kippten es uns). Dies sollte eines der ersten Elemente sein, denn viele Familien sind zu wirtschaftlichem Ausschluss verdammt, gezwungen, das ganze Leben schwarz zu arbeiten und somit nie wieder Füße auf festem Boden zu bekommen.
Außerdem sollte die öffentliche Verwaltung maximalst vereinfacht werden. Die derzeitige ist sich sehr verpflichtet gegenüber dem Bürger und das ist auch gut, aber in vielen Gelegenheiten paralysiert sie die Aktivitäten, die die Bürger selbst unternehmen möchten. Einige Verfahren sollten eliminiert, andere vereinfacht und neue, effizientere gesucht werden.

Wie bewerten Sie die Internationalisierung des Prozesses und was könnte man Ihrer Meinung nach verbessern?:

Der wichtigste und positivste Punkt ist, das es eine Internationalisierung des Prozesses gab und diese sich basierend auf den großen Mobilisierungen der Bürger jeweils an den 11. Septembern und dem partizipativem Prozess vom 9. November vollzog.

Über verbesserungsfähige Aspekte sprechend muss man sagen, dass Diplocat eine wichtige Arbeit übernimmt, aber es sind Aufgaben der öffentlichen Diplomatie, nicht der offiziellen Diplomatie. Ich will damit sagen, man kann mit Regierungen reden, aber vor allem sollte man sich auf die zivile Gesellschaft konzentrieren. Was wir benötigen ist eine parlamentarische Mehrheit mit einem Mandat für die Unabhängigkeit, die der internationalen Gemeinschaft erklärt, dass wir einen Staat gründen wollen. Und ich glaube es ist dringend dies jetzt zu tun.
Das Problem ist, dass es immer noch eine interne Angelegenheit ist, aber sie wird es nicht mehr sein sobald es externe Interessen betrifft. Die internationale Gemeinschaft wird uns nicht unterstützen weil wir Recht hätten oder weil wir so sympathisch wären, sondern weil ihre Interessen in Gefahr wären, wenn sich der Konflikt verlängert. Welche Interessen? Jene der ausländischen multinationalen Unternehmen und die Stabilität des Euros zum Beispiel. Katalonien ist eine größere Wirtschaft als die griechische und die Ereignisse in Griechenland haben der Eurozone geschadet. Folglich ist es von keinem Interesse, wenn die katalanische Wirtschaft unter Spannung stünde aufgrund von Politik. Die Regierungen sind in der Tat an diesem Thema interessiert, denn nie zuvor haben wir so viele Anfragen für Informationen von Seiten der Konsulate und Außenministerien erhalten. Heute bewegen sie sich noch auf nicht-öffentlichen Niveaus, aber sowie wir fortschreiten – ab den Wahlen – wird das Interesse steigen. Zunächst werden sie einen internen Wandel (wirtschaftliches Übereinkommen, Modifizierung der Verfassung) fordern, da sie keine Grenzen verändern oder hinzufügen wollen. Aber wir müssen uns in unserem Wunsch nach Unabhängigkeit standhaft halten und müssen von der internationalen Gemeinschaft fordern, dass sie in einem Referendum über die Unabhängigkeit, in dem die Katalanen abstimmen können und welches von Katalonien, Spanien und der internationalen Gemeinschaft anerkannt wird, vermittelt oder die Unabhängigkeit unilateral erklären. Die erste Option ist für uns die günstigere als die zweite, da die Anerkennung sehr wichtig ist.

Können Sie die Autonomie aussetzen?:

Sie können, aber es wäre verfassungswidrig. Nach der Verfassung, dürfen Autonomien nicht ausgesetzt werden. Sie können eingreifen und die Kontrolle über die Mossos d’Escuadra (Anm. Übersetzung: Polizei) oder die Gewalt über Bildung übernehmen, aber die Auflösung des (katalanischen) Parlaments kann nur der Präsident der Generalitat einleiten. Artikel 155 der Verfassung autorisiert die spanische Regierung nur katalanischen Beamten direkte Anweisungen zu geben. Sie ist nicht autorisiert die Kontrolle über das (katalanische) Parlament zu übernehmen und so wird die demokratische Vertretung weiterhin bestehen bleiben.

Sollten sie die Autonomie aussetzen, dann würden sie hiermit das Autonomiestatut, welches Bestandteil einer Reihe von spanischen Gesetzen ist, verletzen und dies wäre nur in dem Fall des Ausrufs des Ausnahmezustands möglich. In diesem Fall würden Grundfreiheiten abgeschafft und es würde sich auf die Wirtschaft auswirken, da Investitionen abgezogen werden, sich Grenzen schließen etc..

Auf der anderen Seite, wurde bereits in die Autonomie eingegriffen, denn Herr Montoro ist derjenige, der über den Haushaltsetat entscheidet und das Verfassungsgericht ist die Institution, die die von uns kreierten Gesetze kippt.

Wenn wir alles gut machen, dann werden sie es schwierig haben, nicht sich selbst Schaden zuzufügen.

In einem anderen Interview sagte ich einmal, dass wir Bürger den Politikern vertrauen müssen. Können wir darauf vertrauen, dass der Prozess in guten Händen ist?

Es bleibt uns nichts anderes übrig als darauf zu vertrauen. Ich bin davon überzeugt, dass, wenn Präsident Mas heute etwas anderes verteidigt als ich von Seiten ERC, dann tut er das in der Überzeugung, es sei das Beste für das Land. Aus diesem Grund ohne Empathie wird es keine Übereinkunft geben. Wenn du dir dessen bewusst wirst, dann wird es leichter sein zu einer Einigung zu gelangen.

Wir müssen uns gegenseitig vertrauen. Die politischen Parteien müssen der zivilen Gesellschaft vertrauen und umgekehrt. Dieses System vom Gleichgewicht der Macht funktioniert in Demokratien sehr gut und ich glaube an den Prozess. Im Prinzip ist es das Spiegelbild des Staates, den wir konstruieren wollen. Wenn wir dieses Gleichgewicht halten, in dem es eine politische aber auch eine zivile Führung gibt, dann existiert ein gewisses Vertrauen und alles wird funktionieren.

Pere Aragonés, Abgeordneter vom katalanischen Parlament für ERC @perearagones

Diese Interview wurde durchgeführt von Aïda Fadrique @gatadenit

(1) Die Operation Garzón war ein Polizeieinsatz, der aus der Festnahme von 45 Personen mit Verbindungen zum katalanischen Separatismus bestand. Sie stehen unter Verdacht, Mitglieder der bewaffneten Gruppen „Terra LLuire“ zu sein, obwohl diese bereits seine Auflösung gekannt gegeben hatte. Achtzehn der Festgenommenen wurden wegen Mitgliedschaft an der bewaffneten Organisation verurteilt. 2004 hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte den spanischen Staat aufgrund von Berichten über Folter verurteilt.



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Freitag, 9. Januar 2015

Unser Volk hat es verdient, über seine Zukunft zu entscheiden

Geben Sie Katalonien die Freiheit, abzustimmen - von Pep Guardiola, Josep Carreras und anderen führenden Katalanen.
Die Katalanen wollen abstimmen. Im Jahr 1773, gerade mal 59 Jahre nachdem Kataloniens Hauptstadt, Barcelona, von der spanischen Armee eingenommen und die katalanischen Institutionen abgeschafft wurden, führten die „Sons of Liberty” die berühmte Boston Tea Party an. Der zentrale Punkt ihrer Proteste war der Vorwurf, dass die amerikanischen Kolonien vom Mutterland Großbritannien zu hoch besteuert würden, aber ihre Klagen in London kein Gehör fänden. Diese Aktion führte zu einer Revolution, durch die letztendlich die Vereinigten Staaten ihre Unabhängigkeit erlangten und eine Verfassung aus der Taufe gehoben wurde, die zum Sinnbild für Freiheit, Recht und Demokratie wurde.

Die verärgerte Reaktion der britischen Krone auf die Bostoner Ereignisse heizte die Revolte nur an, statt sie einzudämmen, und war Auslöser dafür, dass viele einst kronentreue Siedler für sich erkannten, dass nur die Unabhängigkeit des Landes eine Wahrung ihrer legitimen Rechte garantieren könne. Trotz alledem ist auch heutzutage noch das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich eines der engsten Bündnisse der Welt, das auf gemeinschaftlichen Werten und Zielen beruht. Ein Bündnis zweier gestandener Demokratien, die sich Respekt vor Recht und Freiheit auf die Fahne geschrieben haben. Der alte Streit ist längst vergessen.

Dies ist nur eines der vielen Beispiele, das zeigt, dass ein nach Unabhängigkeit strebendes Volk, das mit Gewalt in einer vordergründigen Einigkeit gehalten werden soll, niemals der Garant zur Wahrung guter Beziehungen ist. Ganz im Gegenteil: eine für beide Seiten segensreiche, loyale und profitable Beziehung setzt in der Regel eine gute Basis voraus, die von Respekt und Zusammenarbeit bestimmt ist. Das ist genau das, was mit Spanien und Katalonien passieren könnte. Anders als Schottland, das freiwillig dem Vereinigten Königreich beigetreten war, und von diesem die Erlaubnis bekam, für oder gegen die Unabhängigkeit zu stimmen, wurde Katalonien seinerzeit erobert und verlor seine Freiheit zwangsläufig. Jetzt, nach drei Jahrhunderten und vielen Versuchen Katalonien einen zufriedenstellenden Status innerhalb des spanischen Staates zu verschaffen, wollen wir, die Katalanen, unsere politische Zukunft selber bestimmen. So, wie es die Schotten gerade vor uns gemacht haben.

Zwischen 1936 und 1939 wurden wir vom Spanischen Bürgerkrieg gebeutelt, um anschließend 40 lange Jahre eine Diktatur zu ertragen. Eine Zeit, in der uns sogar verboten war, unsere eigene Sprache in der Öffentlichkeit zu verwenden. Nach dem Tod Francos, 1975, dachten wir, dass der Übergang in die Demokratie auch die Situation Kataloniens verbessern würde. Und tatsächlich: die spanische Verfassung von 1978 gab Katalonien eingeschränkte autonome Rechte, neue Institutionen wurden ins Leben gerufen und das Verbot der katalanischen Sprache aufgehoben. Neue Hoffnung zog durch das Land, doch sollte diese nicht lange währen.

Spaniens heranreifende Demokratie machte Fortschritte und 2006 wurden weiterführende Befugnisse an Katalonien übertragen. Dreiviertel der Bevölkerung stimmte per Referendum dem neuen Autonomiestatut zu. Doch mit der Zeit wurden viele der Befugnisse wieder der Regierung in Madrid rückübertragen und das Autonomiestatut selbst, das die Unterstützung einer so großen Mehrheit der Bevölkerung hatte, 2010 vom spanischen Verfassungsgericht verstümmelt. Viele glauben, dass dies der entscheidende Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte. In diesem Moment haben viele Katalanen die Hoffnung aufgegeben, und ab diesem Moment griff der Ruf nach einem unabhängigen Staat auf breite Schichten der Bevölkerung über. Aus 14 Prozent wurden 50 Prozent der Bevölkerung, die die Unabhängigkeit unterstützten. Und 80 Prozent der Katalanen fordern ihr Recht ein, selbst zu entscheiden, ob Katalonien Teil des spanischen Staates bleiben soll oder nicht. Seit 2010, nachdem das Verfassungsgericht viele der vormals zuerkannten Befugnisse wieder aufhob, gibt es immer wieder friedliche Demonstrationen, in denen Millionen von Katalanen das Selbstbestimmungsrecht einfordern, und mit ihnen die jetzige Regierung Kataloniens und die Mehrheit der katalanischen Parteien im Parlament.

Wir, die Katalanen, unsere demokratische Regierung und unsere demokratischen Institutionen, wollen abstimmen und selbst entscheiden können, in was für einer Art von Beziehung wir mit Spanien in der Zukunft leben möchten. Um dies zu tun, haben wir ein Datum festgelegt – den 9. November 2014. Dabei geht es nicht um Abspaltung oder Unabhängigkeit, es geht um Würde und Demokratie. Wir, die Katalanen, möchten bei der Gestaltung unserer Zukunft mitsprechen, und werden den Willen der Mehrheit Kataloniens respektieren. Was auch immer das Ergebnis sein mag. So wie die Schotten in Schottland.

Die spanische Regierung argumentiert, diese Wahl sei ungesetzlich und gegen die Verfassung. Die katalanische Regierung und neutrale Rechtsexperten sind überzeugt, dass die Wahl sowohl legal wie legitimiert sei. Seit Jahren haben wir die Regierung in Madrid zu Gesprächen und Verhandlungen aufgefordert, aber anstatt zu reden und zu verhandeln zieht sich die spanische Regierung auf plumpe Abschreckungstaktik zurück und versteckt sich lieber hinter Ausflüchten mit Verweis auf Rechtmäßigkeiten, als der katalanischen Bevölkerung freie und faire Wahlen zu erlauben. Verfassungen sind nicht für Jahrhunderte geschrieben, sondern können der Zeit und den Bedürfnissen angepasst werden. Doch die spanische Regierung hat schon verlauten lassen, dass sie zu keiner Änderung bereit sei, die uns eine Volksabstimmung ermöglichen könnte.

Wir, die Katalanen, wundern uns, warum Spanien unbedingt die Menschen davon abhalten will, sich friedlich und offen in einer Volksabstimmung zu äußern. Wie sonst kann man sich eine Demokratie des 21. Jahrhunderts vorstellen? Politische Auseinandersetzungen sollten in modernen Zeiten durch Dialog und Verhandlungen gelöst werden. Die Zeiten, in denen einige wenige Privilegierte über und im Namen der anderen entscheiden, sind vorbei. Deshalb haben wir, eine Gruppe von betroffenen katalanischen Bürgern, die sich der Demokratie verpflichtet fühlen, beschlossen, diesen Artikel zu schreiben. Um die Welt wissen zu lassen, dass das, was die Katalanen wollen, abstimmen ist. Wer sollte vor der Demokratie Angst haben?

Unterzeichnet von:

Herr Josep Guardiola, ehemaliger Star-Fußballspieler und Trainer von FC Barcelona, jetziger Trainer von FC Bayern München

Herr Josep Carreras, weltberühmter Opernsänger und Mitglied von „Die drei Tenöre”, zusammen mit Plácido Domingo und Luciano Pavarotti

Herr Jordi Savall, Gambist, Dirigent und Komponist, einer der bedeutendsten Vertreter traditioneller Musik, der die Gambe zurück auf die Bühne gebracht hat und mit seinem Repertoire an Musiken des Mittelalters, der Renaissance und des Barock über die Grenzen hinaus bekannt wurde.

Dr. Joan Massagué, führender Krebsforscher am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center, New York

Dr. Pol Antràs, Wirtschaftswissenschaftler an der Harvard-Universität, Boston

Dr. Xavier Sala i Martín, Professor der Ökonomie, Columbia-Universität, New York


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Montag, 8. Dezember 2014

10. Dezember Demonstration für Tibet in Barcelona

In Barcelona, Tibeter und Katalanisch Unterstützer eine Demonstration von der Stadt Tibet House (Casa del Tibet) *, mit dem St James Square (Plaça de Sant Jaume) bei 6.00 zu halten. Die Rallye ist ein Aufruf an Tibet-China-Menschenrechtsdialog zu erhöhen und für die Freiheit Tibets. Heute ist die Welt, sich für Tibet. Aktivisten sind an weltweit führenden Aufruf zur koordinierte Maßnahmen jetzt zu ergreifen, um Druck chinesische Präsident Hu Jintao den chinesischen Truppen und bewaffneten Polizisten Städte und Klöster in Tibet zurückziehen.




Die Demonstration ist eine der geplanten Veranstaltungen des Tibet Festival in der katalanischen Stadt, die ersten 20 Jahre des House of Tibet zu feiern. Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama eingeweiht den ersten Sitz der Tibethaus-Stiftung im Dezember 1994 und die zweite und aktuelle Sitz im September 2007. Es ist eine kulturelle, Solidarität und gemeinnütziger Verein mit dem Ziel, die Verbreitung der einheimischen tibetischen Kultur in Katalonien, die Einführung seiner verschiedenen Ausdrücken und ihren potenziellen Beitrag zur modernen Gesellschaft.

*Carrer del Rosselló, 181 - Barcelona

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Freitag, 5. Dezember 2014

In Spanien gibt es keine Gewaltenteilung

Im Angesicht der aktuellen Lage ist es wichtig, dass die Welt weiß, dass die Dinge in Spanien nicht so demokratisch ablaufen, wie es scheint.

Das spanische Verfassungsgericht -- das bei Verfassungsangelegenheiten das letzte Wort hat und zur Aufgabe hatte, über die Einsprüche gegen das katalanische Volksabstimmungsgesetz und die Volksabstimmungsverordnung vom 9. November zu entscheiden -- scheint nicht mehr unvoreingenommen zu sein. Dieses Gericht besteht aus zwölf Mitgliedern (Richtern und Juristen von anerkannter Erfahrung und Befähigung), die von den folgenden Gruppen ausgewählt werden: vier vom Kongress (politisches Organ), vier vom Senat (ebenfalls politisches Organ), zwei von der Staatsregierung (noch politischeres Organ) und zwei vom Generalrat der rechtsprechenden Gewalt. Danach werden sie vom spanischen König ernannt.

Wie kann es sein, dass die, die über die Verfassungsmäßigkeit entscheiden, Teil des politischen Apparats sind? Wer kann uns versichern, dass diese Richter keine Anweisungen von der Regierung bekommen? Wie kann Spanien vorgeben, eine Gewaltenteilung zu haben -- eine Praxis, die sich in Europa seit der Französischen Revolution etabliert hat?

Seien wir mal ehrlich: in Spanien gibt es keine Gewaltenteilung. Man kann sogar sagen, dass es nie eine gab! In Spanien macht die Exekutive die Gesetze und Urteile; die Legislative glaubt, dass sie Urteile fällen und ausführen kann, und die Judikative bekommt direkte Befehle vom Rest.

Was garantiert uns, dem katalanischen Volk, dass die Einsprüche, die jetzt dem spanischen Verfassungsgericht vorliegen, jemals unparteiisch und gerecht behandelt werden? Gar nichts!

Spanien versucht nach Außen das Bild eines demokratischen Rechtstaates aufrechtzuerhalten, aber im Inneren stinkt es nach Diktatur.


Judit Clarasó, Juristin

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